"So verletzlich, wie es geht": Mogli im Interview - MUCBOOK (2024)

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“So verletzlich, wie es geht”: Mogli im Interview

19 Mrz 2019, 15:57von Aylin Dogan

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"Manche Menschen sind nie verrückt. Was für ein wahrhaft grauenvolles Leben!" (Bukowski).

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Den Namen Mogli kennt man aus dem Dschungelbuch, aus der Netflix-Reisedoku “Expedition Happiness” und von dem Album “Wanderer”. Bei zwei dieser Moglis handelte es sich um die gleiche Person. Spoiler: Dschungelbuch-Mogli ist wer anderes.

Sängerin Selima Taibi ist Mogli. Ihr Künstlername, der so viel heißt wie “wildes Kind”, äußert sich in ihrer vielfältigen künstlerischen Arbeitsweise. Ob sie nun monatelang den amerikanischen Kontinent bereist und die besagte Reisedoku dreht oder Songs schreibt, eine nachhaltige Modekollektion entwirft oder sich doch für soziale Projekte engagiert.

In erster Linie ist sie aber Sängerin. Mit ihrem letzten Album “Wanderer” war sie bereits 2018 auf Tour. Jetzt, fast ein Jahr später, ist sie wieder unterwegs, mit neuen, zum Teil unveröffentlichten Songs. Die sollen zeigen, wie sich die Frau mit der sanften Stimme und den melancholischen Liedern weiterentwickelt hat.

Im Vorfeld ihres Konzerts im Freiheiz am 8.4. sprechen wir mit Mogli am Telefon über ihre neue Tour und über ihre menschliche und musikalische Entwicklung.

"So verletzlich, wie es geht": Mogli im Interview - MUCBOOK (3)

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Mucbook: Hallo Mogli. Danke, dass du dir die Zeit für ein Gespräch mit mir nimmst. Wie fühlst du dich kurz vor deiner Tour?

Mogli: Gerade fühle ich mich sehr gut, weil wir mit der Band geprobt haben und es uns extrem viel Spaß macht, die neuen Songs für die Bühne umzusetzen. Wir spielen etwa fünf Songs von meinem Album, das ich fertig geschrieben, aber noch nicht produziert habe. Das heißt, bevor ich überhaupt ins Studio gehe und die aufnehme, spiele ich sie erst mal live. Und das ist eben einfach ein schönes Gefühl, wenn man schon so lange weiß, dass was existiert, aber die Leute da draußen noch nicht. Jetzt kann ich es endlich teilen.

Deine kommende Tour wird “Mirrors”-Tour heißen. Als du sie bekanntgegeben hast, hast du gesagt, dass ein Blick in den Spiegel ein Blick zurück und in die Zukunft ist. Wie wird sich dieser Blick auf deiner Tour zeigen?

Mein letztes Album ist schon zwei Jahre alt, jetzt kommt am 22. März meine EP “Patience” raus und ich habe mein Album, das dann irgendwann erscheint, schon geschrieben. Das heißt, ich bin gerade in so einer Art Übergangsphase. Die kommende EP ist eine Kollektion von fünf ehrlichen Momentaufnahmen und ist wie der Weg vom letzten Album zum nächsten. Ich finde es sehr schön, das mit meinen Fans zu teilen und ihnen meine Veränderung nicht einfach zu präsentieren, sondern sie auf dem Weg dahin mitzunehmen. Die Tour haben wir dafür gemacht, um noch ein letztes Mal mit dem letzten Album auf Tour zu sein und die alten Songs zu spielen. Dann werde ich die Sachen spielen, die jetzt aktuell sind und die zeigen, wer ich jetzt gerade bin und die auch einen kleinen Ausblick in die Zukunft geben, wo ich mich musikalisch hin entwickle.

Klingt auch ein bisschen so, als seist du in Aufbruchsstimmung.

Auf jeden Fall. Wenn ich irgendwas gemacht habe, dann freue ich mich total daran. Aber dann habe ich danach Lust, etwas anderes zu machen. Und deswegen wird sich meine Musik auch immer weiter entwickeln.

Deswegen auch die elektronischen Einschläge in deinen neuen Songs “Strobe Lights” und “Another Life”?

Da kann man auf jeden Fall hören, was passiert. Ich lebe jetzt in Berlin, alles ist urbaner. Das reflektiert sich auch in meiner Musik, die ist auf jeden Fall elektronischer. Ich habe aber zum Beispiel auch Songs, wo elektronische Drums und Streicher drin sind. Mir sind organische Inhalte wichtig. Das wird man auch auf der Bühne hören, wir haben unser Setup bisschen verändert. Wir haben zwei Synthesizer-Stationen, wo ein Bass-Synthesizer und Keys dabei sind, also alles elektronisch, und es wird dann aber trotzdem auch Geige auf der Bühne gespielt. Es wird immer beides geben.

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In “Another Life” geht es um die Idee, mit einer Person zu sein, obwohl man weiß, dass es zumindest in diesem Leben nicht geschehen wird. Verarbeitest du in deinen Texten immer deine eigene Geschichte oder lässt du dich auch von anderen inspirieren?

Das Schöne an Musik und Songwriting ist ja, dass niemand weiß, ob das jetzt wirklich die Wahrheit ist oder nicht. Ich kann das teilweise offen lassen. Ich bin aber kein Mensch, der Geschichten von anderen Menschen übernimmt. Es ist natürlich klar, dass das nie ich komplett sein kann, weil es immer noch Teile in mir und meinem Leben gibt, die ich nicht gerne teile. Aber ich würde mich da niemals verstellen. “Another Life” ist einer der persönlicheren Songs auf der EP und hat auf jeden Fall auch mit mir zu tun.

Hast du dann nicht die Sorge, dass dich diese Lieder sehr verletzlich darstellen? Weil die Hörer trotzdem einen sehr intimen Einblick in dein Inneres bekommen?

Es ist tatsächlich mein höchstes Ziel, mich so verletzlich zu machen, wie es geht. Es ist für mich und meine Kunst das Schönste. Deswegen ist auch diese EP ein Schritt dahin und es wird auch in dem nächsten Album noch viel stärker sein. Mein nächstes Musikvideo, das zusammen mit der EP kommt, heißt “Patience” und ist die Anschluss-Single zu “Another Life”. Das ist ein reines Tanzvideo, es ist aber nicht choreographiert. Wir haben uns mit einem Regisseur und einer Choreographin zwei Tage eingeschlossen und mit uns und unseren persönlichen Emotionen gearbeitet und das dann über unsere Körper nach draußen getragen. Ich habe es einigen Leuten gezeigt und manche fanden es toll und andere fanden es viel zu nah und viel zu verstörend, weil ich mich eben so verletzlich mache. Und es ist sogar so, dass wenn ich es gucke – und das hätte ich vorher nie so gedacht – ist es mir irgendwie selbst unangenehm. Weil ich spüre, dass es echt ist. Ich finde, dass Verletzlichkeit etwas total schönes ist. Nur wenn man sich verletzlich macht, zeigt man den Menschen um einen herum, dass man Schwächen hat und dass man nicht perfekt ist. Dann löst man in den anderen Menschen Empathie aus. Die können einen dann auf einmal verstehen. Und ich glaube, wir brauchen mehr Empathie in dieser Welt.

Wenn wir jetzt zusammen einen Blick in den Spiegel werfen würden und in die Vergangenheit blicken, wie sehr hast du dich dann seit 2016/2017 als Mensch verändert? Damals hast du einen Schulbus umgebaut, bist durch Nordamerika gereist, hast unterwegs Lieder geschrieben und dann ein Album veröffentlicht.

Ich habe das alles mit meinem Exfreund gemacht. Wir haben die gleichen Ziele geteilt und sind den gleichen Weg gegangen. Ich habe mich im letzten Jahr getrennt und war dann auf einmal hier in Berlin plötzlich alleine. Das war ziemlich prägend für mich. Das hatte gar nichts mit der Trennung zu tun. Das hatte eigentlich damit zu tun, dass ich noch nie alleine war und noch nie 100% von meiner Zeit und meinem Raum damit füllen musste, was ich eigentlich will. Ich bin jetzt irgendwie ein bisschen ruhiger geworden, weil ich mehr bei mir bin. Ich bin in meiner Mitte. Und gleichzeitig ist mein Leben komplett durchgedreht im Gegensatz zu früher. Ich habe damals auf dem Land gelebt und habe dann diese Reise gemacht. Und jetzt bin ich jeden Tag woanders, habe überhaupt keine Routine. Ich gehe auf Europa-Tour, USA-Tour. Ich war gerade mit Viva con Agua in Äthiopien. Jede Woche ist irgendwie komplett neu und das genieße ich voll.

Und was sehen wir, wenn wir zusammen in den Spiegel und in die Zukunft blicken? Wie wird es bei dir weitergehen?

Ich habe einige Projekte, über die ich noch nicht spreche. Aber ich habe auf jeden Fall das Album, von dem ich erzählt habe. Ich weiß noch nicht, wann es kommt, weil ich mir keine Deadline setzen will. Ich will es dann veröffentlichen, wenn es perfekt ist. Aber ich verrate ja schon ein bisschen was, indem ich die Hälfte der Songs spiele. Und eine Sache kann ich sagen: Mir ist die visuelle Ebene zu den Songs sehr wichtig. Es wird auf jeden Fall zu jedem Song, den ich raus bringe, auch irgendwie eine visuelle Ebene geben. Ob es dann ein Musikvideo oder ein Kurzfilm wird, mag ich noch nicht verraten.

Am 8.4. kommst du nach München. Gibt es etwas, was dir an der Stadt gefällt?

Ich finde, dass der Sommer in München sehr schön ist, mit der Isar. Das ist zwar eine Klischeeantwort, aber ich finde die ganzen Biergärten und dieses Draußensein sehr schön. Und ich habe das Gefühl, dass es auf eine ganz andere Art geführt wird, als in Berlin. In München kann man gut mal ein Wochenende oder eine Woche Urlaub machen, weil es einfach entspannt ist.

Vielen Dank für das Gespräch Mogli. Und alles Gute für deine Tour!

Sehr gerne. Schönen Tag!

+++ Gewinnspiel +++

Für das Konzert vonMogli imFreiheiz am 8. April verlosen wir 3×2 Gästelistenplätze. Lass uns einfach einen Kommentar da und mit etwas Glück zieht die Losfee deinen Namen. Die Gewinner*innen werden am 3.4. per Mail benachrichtigt.

In aller Kürze:

Was? Mogli (mit Plested als Support)

Wann? Montag, 8. April 2019 | 19 Uhr

Wo? Freiheiz , Rainer-Werner-Fassbinder-Platz 1, 80636 München

Wieviel?ca. 26,50 Euro pro Ticket

MUCBOOK verlost 3×2 Karten über dieFacebookseite

Beitragsbild: Pressefoto/Polarkonzerte

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